Super Spacer® im Londoner Net-Zero-Development 2 Finsbury Avenue

Bildquelle: Quanex / © Jad Sylla

Während „Net Zero Carbon in Operation“ mittlerweile in vielen Neubauprojekten Standard ist, spielt das Londoner Hochhausensemble „2 Finsbury Avenue“ (2FA) in einer eigenen Liga. Gemeinsam verfolgen die Auftraggeber, British Land, GIC und Modon sowie das dänische Architekturbüro 3XN GXN einen Anspruch, den nur wenige Großprojekte weltweit formuliert haben: Nicht nur die operativen Emissionen, sondern auch die grauen Emissionen aus Bau und Herstellung sollen bilanziell auf null reduziert werden.

Die von AGC Interpane gelieferte Verglasung trägt zu diesem Ziel auf mehreren Ebenen bei: Das eingesetzte Basisglas ist Cradle to Cradle Bronze zertifiziert. Über projektspezifische Beschichtungen werden Heiz- und Kühlbedarf und damit auch der operative CO2-Fußabdruck gesenkt, und mit dem flexiblen Abstandhalter Super Spacer® T-Spacer™ SG von Edgetech Europe/Quanex kommt ein System zum Einsatz, das auf Langlebigkeit und eine über Jahrzehnte gesicherte Gasdichtheit der großformatigen SSG-Elemente ausgelegt ist.

Zirkularität als Fundament für Netto-Null

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„Urban Upcycling“ nennt GXN Innovation, die 2007 gegründete Innovationseinheit von 3XN, eine der wesentlichen Säulen für die Umsetzung des Ziels „Net Zero Carbon in Construction“. In einem umfassenden Pre Demolition Audit wurden vor dem Rückbau der beiden Bestandsgebäude aus den 1980er Jahren die Potenziale für Wiederverwendung oder Upcycling der Materialien identifiziert und katalogisiert. So wurden 98 Stahlträger für die Wiederverwendung freigegeben, rund 2.500 m³ Beton zurückgewonnen, gebrochen und im Fundament des Neubaus wiederverwendet, rund 9.500 m2 Bodenfliesen für die spätere Wiederverwendung eingelagert, rund 100 Tonnen Stahl in die neue Tragstruktur integriert und Teile der alten Aluminiumfassade als Verkleidung der neuen Fahrradrampe wiederverwendet. Zusammen mit weiteren Maßnahmen wie dem Einsatz von Elektrolichtbogenstahl trug dies dazu bei, die grauen Emissionen des Gebäudes von ursprünglich 755 geplanten auf rund 647 Kilogramm CO2-Äquivalent pro Quadratmeter zu senken. Gleichzeitig wurde das Gebäude so konzipiert, dass viele seiner Bauteile, darunter auch die Fassade, am Ende der Nutzungsphase demontiert und erneut verwendet werden können. Neben Netto-Null werden BREEAM Outstanding, WELL Platinum und eine NABERS-Bewertung von 5 Sternen angestrebt.

Flexible Arbeitswelten auf dem Broadgate Campus

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2FA liegt an der Nordwestecke des Broadgate Campus in der City of London, direkt neben der stark frequentierten Liverpool Street Station. Das Ensemble aus zwei Türmen mit 23 und 38 Geschossen sowie einem 12-geschossigen Podium als Verbindung bildet den letzten Meilenstein in der Transformation von Broadgate zu einem gemischt genutzten Stadtquartier. Auf rund 100.000 Quadratmetern bietet es flexible Büroflächen für unterschiedlichste Arbeitsformen und Unternehmensgrößen. Das Konzept geht dabei bewusst über die klassische Büroimmobilie hinaus. Gemeinschaftlich nutzbare Arbeits- und Veranstaltungsbereiche, ein Podcast-Studio sowie ein rund 650 Quadratmeter großer Wintergarten mit Café schaffen zusätzliche Räume für Austausch, Vernetzung und informelles Arbeiten. Ein sogenannter Learning Hub im Erdgeschoss ist als öffentlicher Veranstaltungs- und Weiterbildungsort für die Community geplant.

Hochkomplexe Fassadenkonstruktion

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Im Vergleich zu anderen Hochhausikonen in London, die mit der Form von Gewürzgurken oder Scherben assoziiert werden, bereichern die beiden 156 und 101 Meter hohen Türme des 2FA die Skyline mit kantiger, kristalliner Eleganz. Je näher man dem Ensemble kommt, desto deutlicher tritt die außergewöhnliche Raffinesse der Fassadenkonstruktion hervor.

Sie ist als feinteiliges, dreidimensionales Sägezahnrelief ausgebildet, das Licht und Reflexionen unterschiedlich aufnimmt und die Wahrnehmung der Gebäudehülle ständig verändert. Diagonale, goldsand-farbene Aluminiumbänder gliedern die Fassade in facettierte Dreiecke. Entlang dieser Linien kehrt sich zugleich die Orientierung der Sägezahnstruktur um.

Konstruktiv basiert die Gebäudehülle auf einer Structural-Glazing-Elementfassade. Die typischen Units messen 1.500 × 3.875 mm und kombinieren eine Durchsichtverglasung mit einer als Shadow Box ausgebildeten Brüstungszone sowie einem opaken, mit Aluminiumpressblechen verkleideten Fassadenabschnitt. Die eingesetzten Isoliergläser erreichen dabei Formate von rund 1.060 × 2.950 mm.

Viele Monate steckte das Projektteam, bestehend aus den Büros 3XN und Adamson Associates als ausführende Architekten, dem Generalunternehmer Sir Robert McAlpine, dem Fassadenbauer Focchi Group, dem Fassadenberater FMDC sowie dem Tragwerks- und Gebäudetechnikplaner Ramboll in das Ziel Klimaneutralität, das auch den Entwurf der Gebäudehülle bestimmte. Die Fassade sollte möglichst viel Tageslicht in die Büroflächen bringen, ohne dabei die Kühllasten unnötig zu erhöhen. Simulationen zeigten, dass die stärksten solaren Einträge am Nachmittag zu erwarten waren, was in die Ausrichtung der Sägezahnfassade einfloss.

Bildquelle: Quanex / © Focchi Group

Damit ist die gezackte Fassadengeometrie kein rein architektonisches Gestaltungselement, sondern Teil der energetischen Grundkonzeption. Der Aufbau der Verglasung wurde entsprechend abgestimmt. Zum Einsatz kam eine Sonnenschutz-Isolierverglasung mit einer Stopray Vision-52 Beschichtung auf Position 4, einem 18 mm breiten, argongefüllten Scheibenzwischenraum mit dem flexiblen Abstandhalter Super Spacer® T-Spacer™ SG sowie Verbundsicherheitsglas auf beiden Seiten. Die außenliegende Scheibe verfügt zusätzlich über eine akustisch wirksame PVB-Zwischenlage. Bei einer Lichttransmission von rund 50 Prozent erreicht die Verglasung einen g-Wert von etwa 25 Prozent sowie einen Ug-Wert von 1 W/(m²K). Im Erdgeschoss kam eine Pfosten-Riegel-Fassade mit einer Sonnenschutz- und Wärmedämm-Isolierverglasung aus Clearvision-Weißglas und farbneutralen iplus Low-E-Beschichtungen zum Einsatz. Sie erreicht bei einer Lichttransmission von mindestens 75 Prozent einen Gesamtenergiedurchlassgrad von maximal 60 Prozent sowie einen Ug-Wert von 1,1 W/(m²K).

Die opaken Fassadenabschnitte übernehmen zugleich eine klimatische Funktion. Jede zweite Verkleidung ist perforiert und verbirgt sensorgesteuerte Klappen, die sich bei Bedarf öffnen und für natürliche Frischluftzufuhr sorgen.

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In den großformatigen Einschnitten des Sägezahnreliefs, den sogenannten Amenity Cuts sowie der Amenity Terrace, geht die gefaltete Fassade in eine ebene SSG-Verglasung über. Dort liegen die gemeinschaftlich genutzten Bereiche des Gebäudes. Die vollverglasten Fassadenelemente werden von geschossübergreifenden Pfosten gegliedert und lediglich auf der unteren Geschossdecke gelagert, während ein diagonaler Träger die Windlasten aufnimmt.

Mit Formaten von bis zu 2.500 × 7.500 mm fallen die Isolierglaseinheiten in diesen Bereichen deutlich größer aus. Entsprechend wurde der Aufbau für die höheren Lasten verstärkt. Da auf die plane Verglasung eine höhere Sonneneinstrahlung wirkt, kommen bei den Amenity Cuts Saint-Gobain COOL- LITE® Gläser zum Einsatz.

Dort, wo die Diagonalen der Amenity Cuts auf die Richtungswechsel der Sägezahngeometrie treffen, entstehen die sogenannten Snowflake-Knoten, die technisch anspruchsvollsten Punkte der Fassade. An acht Gebäudeecken laufen bis zu zehn verschiedene Fassadenkomponenten in einem einzigen Element zusammen, ergänzt um eigens entwickelte Luft- und Wasserabdichtungen. Insgesamt sind rund 130 Fassadenelemente von dieser Geometrie betroffen.

Dauerhafter Randverbund für Structural Glazing

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Die Isoliergläser wurden bei AGC Interpane in Plattling mit dem Warme Kante Abstandhalter Super Spacer® T-Spacer™ SG gefertigt, einer speziell für Structural-Glazing-Anwendungen entwickelten Variante der Super-Spacer-Produktfamilie. „Die Entscheidung für den Super Spacer® Abstandhalter war für uns eine strategische, aber auch eine wirtschaftliche. Bei Projekten wie 2 Finsbury Avenue müssen wir sicher sein, dass der Randverbund seine Leistungsfähigkeit über Jahrzehnte hinweg behält. Über die robotergestützte Applikation können wir diese Qualität reproduzierbar und wirtschaftlich fertigen“, erläutert der Leiter der Isolierglasfertigung, Daniel Bruckelt.

Bei SSG-Fassaden spielt die Geometrie des Abstandhalters eine entscheidende Rolle, denn die außenliegende Sekundärdichtung aus Silikon übernimmt zwar den UV-Schutz, ist selbst aber gasdurchlässig. Die dauerhafte Gasdichtheit des gesamten Randverbunds muss deshalb allein die innenliegende Primärdichtung aus Polyisobutylen (PIB) sicherstellen. Genau dafür sind beim T-Spacer™ SG die seitlichen Kontaktflächen vergrößert: Sie erlauben einen dickeren, gleichmäßigeren PIB-Auftrag auf der automatischen Isolierglaslinie, mit hoher Parallelität zur Glaskante und engen Toleranzen, ein Kriterium, das gerade bei großformatigen Scheiben mit schmalen Fugen nicht nur optisch, sondern auch für die Stabilität des gesamten Elements zählt. Mehr und gleichmäßiger aufgetragenes PIB bedeutet damit unmittelbar eine belastbarere Gasdichtheit über die gesamte Nutzungsdauer.

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„Große Isoliergläser sind tonnenschwer und gleichzeitig überraschend sensibel. Windlasten, Temperaturwechsel, Druckschwankungen und die thermische Ausdehnung der Materialien führen zu permanenten Bewegungen im Randverbund. Die Elastizität des Abstandhalters ist ein entscheidender Pluspunkt. Er kann diese Bewegungen aufnehmen und senkt so langfristig das Risiko von Dichtungsversagen, Gasverlust und Spannungsrissen im Randbereich“, sagt Christoph Rubel, European Technical Manager bei Edgetech Europe.

Mike Moran, Vice President of Sales Europe & UK bei Edgetech/Quanex erinnert an die Ursprünge des Super Spacer®: „Die erste nichtmetallische Warme Kante aus Silikon-Strukturschaum war 1989 eine echte Produktrevolution, die nicht nur die Gestaltung energieeffizienter, wärmegedämmter Gebäudehüllen unterstützt, sondern auch für ein behagliches Raumklima sorgt. Dass er heute wie selbstverständlich in einem Prestigeprojekt wie 2 Finsbury Avenue zum Einsatz kommt, darauf können wir stolz sein.“


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