Trends im Smart-Metering 2026
Flexible Konnektivität, KI-Agenten für das Netzwerkmanagement und Vernetzung mit der Gebäudeautomatisierung
Als Querschnittstrend sehen die Experten von Elvaco das Thema Sicherheit der Infrastruktur und der Daten für Versorger und Smart-Metering-Anbieter gleichermaßen
Elvaco AB ist seit 1984 Anbieter von technologieoffenen Ende-zu-Ende-Lösungen für Energieversorger, Stadtwerke und Submetering-Unternehmen. Die Smart-Metering-Experten sehen folgende Trends, die im Jahr 2026 für die Branche wichtig werden:
- Multi-Konnektivität: Für intelligente Mess-Systeme stehen heute verschiedene Funktechnologien zur Verfügung. Zukünftig werden weitere auf den Markt kommen und andere wieder verschwinden. Somit ist es für Metering- und Sub-Metering-Anbieter entscheidend, Flexibilität bei der Konnektivität sicherzustellen, um Abhängigkeiten von Anbietern und Technologien zu vermeiden.
- Adaptives Netzwerkmanagement: Es reicht heute nicht mehr, Netzwerke nur zu monitoren. Flexibilität bei den Datenraten und schnelles Handeln werden mit zunehmender digitaler Vernetzung immer wichtiger. Hier kommt KI-Agenten eine bedeutende Rolle zu, um das Konnektivitäts- und Technologiemanagement zu automatisieren.
- Vernetzung mit der Gebäudeautomatisierung: Metering-Daten sind auch für das Gebäudemanagement und die Home-Automation zunehmend interessant. Smart Metering wird zukünftig über Datenaustauschschnittstellen mit entsprechenden Systemen verfügen. Diese Entwicklung wird neue Technologien und neue Sicherheitsanforderungen mit sich bringen.
- Querschnittstrend Sicherheit: Energieversorger gehören zur kritischen Infrastruktur, die zuverlässig abgesichert werden muss. Hierzu verpflichten zahlreiche regulatorische Vorgaben. Auch die Anbieter von Kommunikationslösungen müssen bei zunehmender Vernetzung die Sicherheit ihrer Systeme kontinuierlich überwachen.
Eine herstellerunabhängige End-to-End-Lösung vom Zähler bis zur Abrechnung garantiert Betreibern von Smart-Metering-Infrastruktur Flexibilität und damit Investitionssicherheit.
Trend 1 - Multi-Konnektivität
Zukünftig werden flexible Lösungen für die Konnektivität entscheidend sein. Betreiber smarter Infrastrukturen haben für die Übertragung der Messwerte heute die Wahl zwischen den etablierten Kommunikationstechnologien wie wired M-Bus, wireless M-Bus oder LoRaWAN und neuen Technologien wie NB-IoT oder dem Splitting Mode in Open Metering System (OMS) Version 5. Mit der Vielfalt steigt die Unsicherheit bei Versorgungsunternehmen, Netzbetreibern und Messdienstleistern, auf welche Technologie sie setzen sollen. Die Kosten für die Installation von Antennenstandorten und den Rollout der intelligenten Messgeräte können erheblich sein. Daher wünschen sich die Betreiber Investitionssicherheit, um nicht nach wenigen Jahren wieder in eine andere Technologie investieren zu müssen.
Jede Kommunikationstechnologie hat Vorteile und Herausforderungen, betont Dino Tsoumakis, Head of Business Development bei Elvaco: „Gefragt sind Multi-Connectivity-Möglichkeiten. One-fits-all gibt es nicht. Es geht nicht um die ‚eine‘ perfekte Technologie. Gefragt ist diejenige, die sich für den jeweiligen Einsatzzweck am besten eignet.“ Bei der Raumtemperaturüberwachung für die Energieeffizienz wird eine Technologie benötigt, die Daten minütlich senden kann, und das über einen langen Zeitraum hinweg. Auch die Leckage-Erkennung von Wasser über Nacht funktioniert nur auf Basis hochfrequenter Werte, wie sie etwa wireless M-Bus liefern kann. Für die Verbrauchsmessung von Wasser dagegen sind größere Übertragungsabstände ausreichend. Hier kommen LoRaWAN oder NB-IoT in Frage. Im Bereich Smart City überträgt zum Beispiel LoRaWAN einmal täglich die Daten der Müllstandsensoren. Für das Parkplatz-Monitoring wiederum werden die Daten nahezu in Echtzeit benötigt. Dies lässt sich gut mit OMS V5 Splitting Mode realisieren.
„Und da sich ständig neue Anwendungsfälle ergeben, verändern sich mit der Zeit auch die Anforderungen an die Kommunikationstechnologie. Lösungen von Anbietern, die mehrere Technologien kombinieren und einen flexiblen Wechsel der Meter-Module zulassen, sind hier klar im Vorteil. Zumal wir erwarten, dass noch weitere Technologien auf den Markt kommen“, sagt Dino Tsoumakis.
Trend 2 - Adaptives Netzwerkmanagement
Versorgungsunternehmen begeben sich mit der Digitalisierung in einen komplexen Hochtechnologiebereich. Bei der Optimierung der Netzwerke kommt KI-Agenten eine wichtige Rolle zu, etwa um Fehlerzustände vorausschauend zu erkennen, auf unvorhergesehene Ereignisse richtig zu reagieren oder Datenraten umstellen zu können. Kommen beispielsweise Daten einzelner Sensoren nicht zuverlässig in der IoT-Plattform an, kann ein KI-Agent sie automatisch über eine andere Route leiten. Ein weiteres Einsatzgebiet ist die Balancierung von Übertragungsaufkommen über die Netzwerke hinweg. KI-Lösungen erkennen Unter- und Überlasten sofort und balancieren die Datenströme aus. Die KI kann zudem Fehlerzustände früh erkennen, wenn man sie zuvor auf den Normalzustand trainiert hat. Ein Beispiel ist die schleichende Verwässerung der Empfangsqualität, etwa durch bauliche Veränderungen in der Umgebung der Sensoren oder Wasser in der Antennenverbindung. Der Mitarbeiter im Feld wird nicht nur automatisch informiert, sondern erhält auch eine Handlungsempfehlung auf Basis einer Wissensdatenbank. So garantieren KI-Agenten rund um die Uhr eine konstante Lastverteilung und stabile, resiliente Netzwerke mit hoher Ausfallsicherheit.
Eine weitere wichtige Entwicklung ist die anbieterneutrale Unified-Management-Plattform. Sie ermöglicht es, die Endgeräte über eine zentrale Betriebsplattform zu steuern – unabhängig von ihren Eigenheiten. Dino Tsoumakis erklärt: „So lässt sich das Netzwerk über unterschiedliche Anbieter und Funktechnologien hinweg managen. Das System muss automatisch die jeweils beste Konfiguration für den jeweiligen Anwendungsfall umsetzen. Wichtig sind außerdem ein zuverlässiger Datenstrom für die nachgelagerte Verarbeitung in einem Meter Data Management (MDM) sowie die Bereitstellung von fachspezifischen Analysen.“
Trend 3 - Vernetzung von Smart Metering mit der Gebäudeautomatisierung
Systeme für das Kommunikations- und Datenmanagement sind heute in der Regel sehr isoliert und werden nur für die spezifischen Anforderungen der Betreiber eingesetzt. Regulatorische Vorgaben, wie die Energie-Effizienz-Richtlinie der EU, sorgen dafür, dass Smart-Metering-Daten den Endverbrauchern häufiger und detaillierter zur Verfügung gestellt werden müssen. Die hierfür erfassten Daten sind zunehmend auch für weitere Anwendungszwecke interessant. So möchten etwa Eigenheimbewohner oder Mieter ihre persönlichen Messdaten aktiv nutzen – sei es, um Energiesparpotenziale zu erkennen oder um die Daten mit ihren Home-Automation-Installationen zu verbinden. „Zum Beispiel fragen Hauseigentümer bei Herstellern nach der Möglichkeit der Vernetzung ihrer Strom- oder Wasserzähler mit Gebäude-Automatisierungssystemen, um den eigenen Energieverbrauch optimieren zu können und damit Kosten zu sparen. Es wird immer mehr vernetzt, etwa der smarte Stromzähler mit der Solaranlage auf dem Dach des Einfamilienhauses“, berichtet Dino Tsoumakis. „Bei der Heim-Automatisierung bieten offene Lösungen wie ‚HomeAssistant‘ bereits heute viele Integrationsmöglichkeiten unterschiedlicher Datenquellen – auch von Smart Metering. Ein Beispiel ist die Heizungssteuerung, indem man den Thermostaten am Heizkörper mit dem Home-Automation-System verbindet.“ Infolge dieser Entwicklung entstehen immer mehr Übergabepunkte und Schnittstellen. Die Software-Systeme müssen darauf vorbereitet sein, Daten flexibel zur Verfügung zu stellen und die spezifischen Schnittstellen und Protokolle der Gebäudeautomatisierung zu beherrschen. Damit stellen sich neue Fragen an die Sicherheit der Systeme.
Querschnittstrend Sicherheit
Anbieter von Kommunikationslösungen müssen die Sicherheit ihrer Systeme kontinuierlich überwachen und geeignete Gegenmaßnahmen ergreifen, sobald Schwachstellen bekannt werden. Das kann etwa das automatische Einspielen von Sicherheits-Updates auf Infrastrukturgeräten wie Gateways oder Datensammlern sein. Energieversorger gehören zur kritischen Infrastruktur, die aktuell stark im Fokus von Cyberangriffen steht und entsprechend abgesichert werden muss. Ebenso gilt es, die allgemein gestiegenen Sicherheitsanforderungen durch regulatorische Vorgaben wie KRITIS, NIS-2 oder den Cyber Resilience Act (CRA) zu erfüllen. „Für Versorger und Smart-Metering-Anbieter wird es immer wichtiger, nicht mit Sicherheitsprobleme in der Öffentlichkeit sichtbar zu werden. Denn selbst wenn es nur um Messwerte aus einem Temperaturmonitoring geht, zerstören Sicherheitslücken das Vertrauen der Kunden“, sagt Dino Tsoumakis.