Wege zu grünerem Stahl
Welche Maßnahmen die Stahlproduktion nachhaltiger gestalten
Nicht nur im Zuge eines zunehmenden ökologischen und sozialen Verantwortungsbewusstseins rückt die Nachhaltigkeit von Stahl immer stärker in den Fokus. Moderne Verfahren und Technologien zur Emissions- und Abfallreduzierung bieten große Potenziale, um sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich zu produzieren. Doch wo liegen diese Potenziale? Welche Schritte können Unternehmen gehen, um eine erfolgreiche Transformation zu erreichen?
Die Stahlproduktion ist einer der größten Verursacher von CO2-Emissionen. Es gibt jedoch einige Stellschrauben, an denen Unternehmen für eine nachhaltigere Fertigung drehen können.
Die Stahlproduktion ist weltweit einer der größten industriellen Verursacher von CO2-Emissionen. Der traditionelle Herstellungsprozess im Hochofen setzt große Mengen an Kohlendioxid frei. Das Recycling von Stahl durch emissionsärmere Elektrostahlwerke, die hauptsächlich Stahlschrott als Ausgangsmaterial verwenden und diesen in einem Elektrolichtbogenofen einschmelzen, ist daher eine naheliegende Maßnahme. Für eine nachhaltige Stahlproduktion gibt es jedoch einige Stellschrauben, an denen Unternehmen darüber hinaus drehen können.
Maßnahmen zur Emissionsreduzierung
Die Stahlerzeugung über Elektrostahlwerke bietet eine emissionsärmere Alternative zum traditionellen Hochofenverfahren.
Nicht nur die Verwendung eines alternativen Stahlofens verringert die Luftverschmutzung. Eine Möglichkeit, die bei der Stahlproduktion entstehenden Emissionen zu reduzieren, ist auch der Einsatz moderner Abgasreinigungssysteme. Elektrofilter, Gewebefilter oder Entstaubungsanlagen filtern Schadstoffe und Partikel aus den Abgasen, bevor diese in die Atmosphäre gelangen. So trägt beispielsweise eine spezielle Absaughaube für den AOD-Bereich (Argon-Sauerstoff-Entkohlung) zur Emissionskontrolle bei. Unternehmen wie COGNE investieren kontinuierlich in neue Anlagen sowie in die Modernisierung bestehender Systeme, um die Luftverschmutzung weiter zu reduzieren. Darüber hinaus sorgen moderne Emissionsüberwachungssysteme für eine genaue Kontrolle und Transparenz gegenüber den zuständigen Behörden. Hier spielen die internationalen ISO Normen 14001, 50001, 14064 sowie die ISO 14067 eine besondere Rolle, da sie Unternehmen dabei unterstützen, ihre Umweltleistung, Energieeffizienz und CO2-Emissionen systematisch zu verbessern und transparent zu dokumentieren.
Auch der seit 1. Januar 2026 verbindliche CBAM (Carbon Border Adjustment Mechanism) ist eine EU-weite Verordnung zur Schaffung eines CO2-Grenzausgleichsystems und trägt zum Klimaschutz bei. Hierbei werden emissionsintensive Produkte wie Stahl mit einem CO2-Preis belegt, mit dem Ziel, Emissionen zu reduzieren und einheitliche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Die EU versucht damit das so genannte Carbon Leakage, also die Verlagerung von CO₂-intensiver Produktion in Länder ohne vergleichbare Klimaschutzmaßnahmen, zu verhindern. Die Ermittlung der Preisbelegung für Stahl erfolgt über die Einteilung in Scope 1 (direkte Emissionen aus der Stahlproduktion), Scope 2 (indirekte Emissionen durch den Stromverbrauch) und Scope 3 (weitere, indirekte Emissionen wie beispielsweise Transportwege).
Maßnahmen zur Abfallvermeidung
Im Produktionsprozess fallen darüber hinaus große Mengen an Schlacken, Stäuben, Schlämmen und anderen Abfallprodukten an. Diese werden in der Regel vollständig entsorgt, was nicht nur hohe, zusätzliche Kosten bedeutet, sondern auch eine Verschwendung von Ressourcen darstellt. Denn neben dem Recycling von verwertbarem Schrott besteht auch die Möglichkeit, einige der Nebenprodukte weiter zu verwenden. So kann Schlacke beispielsweise als Baustoff oder als Dünger in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Ein gutes, betriebliches Abfallmanagement zielt also darauf ab, die Abfallbehandlungswege gezielt auszuwählen und kontinuierlich zu verbessern, um die Verwertung und das Recycling von Nebenprodukten zu maximieren. Großes Potenzial bieten dafür auch Investitionen in Technologien zur Prozessoptimierung. Denn durch eine effizientere Nutzung von Rohstoffen können Abfälle bereits an der Quelle reduziert werden. Geregelt wird das Recycling unter anderem in der UNI EN ISO 14021, die transparente Anforderungen an umweltbezogene Anbietererklärungen festlegt.
Maßnahmen zur Verringerung der Bodenbelastung
Die Abfallmengen zu verringern trägt auch zur Reduzierung der Bodenbelastung bei. Bodenbelastungen entstehen bei der Stahlerzeugung vor allem durch unsachgemäße Lagerung oder Entsorgung von Abfällen und Nebenprodukten. Eine umwelt- und fachgerechte Abfalllagerung verhindert durch Abdichtung und Abdeckung das Eindringen von Schadstoffen in Boden und Grundwasser. Und je weniger Abfallstoffe gelagert werden müssen, desto geringer ist das Risiko ungewollter Bodenverunreinigungen.
Maßnahmen zur Verringerung der Wasserverschmutzung
Neben dem CO2-Fußabdruck besitzt der so genannte Wasser-Fußabdruck in der Stahlproduktion eine ebenso große Bedeutung. Dieser Fußabdruck ist ein Indikator für die Menge an Süßwasser, die zur Herstellung von Gütern und Dienstleistungen direkt oder indirekt verbraucht oder verschmutzt werden. Ein internationaler Standard, der den Umgang mit der Wasserverschmutzung bzw. die Ermittlung des Wasser-Fußabdrucks regelt, ist die Norm ISO 14046. Ursprünglich zur Bewertung der Wasserressourcen im Agrarsektor eingesetzt, findet er im letzten Jahrzehnt vermehrt Anwendung in der industriellen Produktion. Unternehmen sollten sich daher einen Überblick über ihren Wasser-Fußabdruck verschaffen, um eine ressourcenschonende Nutzungsstrategie zu entwickeln. Eine Analysehilfe bietet unter anderem der „Aqueduct Water Risks Atlas“ des World Resources Institute. Zur Verringerung der Wasserbelastungen können moderne Filtersysteme und chemische Aufbereitungsverfahren eingesetzt werden. Diese entfernen gefährliche Stoffe wie Schwermetalle, Öle und Fette aus dem Wasser, bevor es in die Umwelt gelangt. Eine gezielte Optimierung der Prozessabläufe trägt auch hier dazu bei, solche chemischen Zusatzstoffe insgesamt zu reduzieren. Ebenso tragen geschlossene Wasserkreisläufe zum Schutz der Natur bei und erhöhen gleichzeitig die Effizienz der Produktion durch einen geringeren Wasserverbrauch.
Die Möglichkeiten für Stahlproduzenten, ihre umwelttechnischen Fußabdrücke zu verringern, sind zahlreich und effektiv. Um künftig also nicht nur rechtskonform und nachhaltig, sondern damit auch wettbewerbsfähig zu bleiben, sollten Unternehmen fortlaufend an ihren Prozessen arbeiten und sich frühzeitig auf nationale und internationale regulatorische Anforderungen einstellen. Stahlexperte COGNE ist in der Branche ein gutes Beispiel für kontinuierliche Investitionen sowohl in Technologien und Verfahren, die Emissionen und Abfälle reduzieren, als auch in entsprechende Zertifizierungen.